Es gibt in jeder Gruppe Rollen. Oft sind die auch sehr stark mit einzelnen Personen verknüpft. Es gibt da zum Beispiel die „Pressefresse“, die immer das Gesicht in die Kameras hält, damit es die anderen nicht machen müssen. Oder die Person mit den Online-Zugängen, welche eure Social Media bespielt. Aber es gibt auch immer jemanden, der eure Treffen moderiert oder immer Snacks mitbringt? Aber habt ihr da mal drüber geredet? Falls nicht, habt ihr vermutlich eher intransparente Rollen. Es ist für Leute, die neu in eure Gruppe kommen, zum Beispiel gar nicht so einfach, zu erkennen, was erledigt werden muss und wer es macht. Und irgendwie funktioniert die Gruppe meistens auch. Doch wenn nicht über (intransparente) Rollen und deren Verteilung geredet wird, dann kann es dazu kommen, dass Konflikte vorprogrammiert sind. Zum Beispiel sind einzelne Leute nicht damit zufrieden, wie die Rollen verteilt sind. Es wird dann meistens auch nicht darüber entschieden, wer eigentlich welche Aufgaben übernimmt. Dies bringt auch das Thema Hierarchien auf, da bestimmte Rollen mit mehr Macht verbunden sind. Aber es kann auch mit reinspielen, wer eigentlich welche Aufgabe wie selbstverständlich übernimmt beziehungsweise übernehmen kann.
Rollenverteilung
Sich mit der Rollenverteilung zu beschäftigen kann unterschiedliche Gründe haben.
So kann ein neues Projekt anstehen, ihr macht einen Strukturprozess, es läuft nicht so rund wie geplant oder die ersten Leute aus eurer Gruppe brennen aus. Was auch immer eure Beweggründe dafür sind, euch damit zu beschäftigen, ist es immer sinnvoll, sich genauer anzuschauen, welche Rollen und Aufgaben es bei euch in der Gruppe so gibt.
Das rauszufinden ist gar nicht so einfach, wie Mensch sich erst mal denkt. Schreibt dafür auf, was zu der Übernahme einer Rolle oder Aufgabe dazugehört. Was braucht es dafür, was sollte mitgebracht werden? Eine Möglichkeit ist es, einen Rollensteckbrief zu erstellen. Dafür gibt es hier eine Vorlage.
Denkt auch mit daran, dass Aufgaben und Rollen für Leute unterschiedlich kompliziert sein können. Besonders wenn ihr eine Rolle habt, die euch besonders nervig vorkommt, kann es sein, dass die wer anders total toll findet. Nicht alle lieben Excel-Tabellen und Abrechnungen, aber es gibt immer wieder welche, die sich liebend gern an einem Schreibtisch in Unterlagen verbuddeln. Verteufelt also nicht Rollen oder Aufgaben, die ihr selbst als nervig identifiziert. Meistens macht die dann doch irgendwer gerne, wenn die nicht runtergeredet werden. Wichtig ist dabei auch die Wertschätzung, besonders bei Aufgaben, die in der patriarchalen Gesellschaft, in welcher wir leben, häufig nicht gesehen werden. So zum Beispiel das Aufräumen und Becherspülen nach einem Treffen oder das emotionale Auffangen nach einem anstrengenden Event. Macht Rollen, die nicht gesehen werden, sichtbar und erkennt die Arbeit an. Da könnt ihr voll kreativ sein, was euch eben so einfällt, was die Leute, die diese Aufgaben machen, freuen würde.
Notwendige Skills
Nicht alle Aufgaben sind einfach für alle zu übernehmen. Manche brauchen besondere Skills, Erfahrungen oder auch Vorwissen. Nehmt Leute mit, denen bestimmte Rollen erst einmal abwegig erscheinen, und ermöglicht allen, theoretisch alle Aufgaben übernehmen zu können. Dies bedeutet nicht, dass alle die Steuererklärung vom Verein oder das nächste Fernsehinterview machen können. Sondern dass es allen möglich gemacht wird, das zu lernen, wenn sie es wollen. Auch mit dazu gehören persönliche Netzwerke. Wenn alle Kontakte zur Presse, Politik und Verwaltung bei einer Person liegen, steht ihr möglicherweise vor einem Scherbenhaufen, wenn der Mensch aus eurer Struktur fällt. Auch im Sinne vom Hierarchieabbau ist dies sinnvoll, so dass sich nicht zu viel Macht auf eine Person konzentriert.