Podiumsdiskussionen

Podiumsgespräche kennt man meistens aus dem Fernsehen, dabei ist es gar nicht so schwierig, selbst eines zu organisieren. Und das Beste? DU bestimmst, worüber gesprochen wird und wessen Meinung du eine Bühne bieten magst.

Thementext

Ablauf

Bei einer Podiumsdiskussion organisiert man ein Gespräch über ein Thema, welches man wichtig findet. Dabei sind die eingeladenen Gäst*innen wichtige Referent*innen, Expert*innen oder Betroffene der Thematik, was ihre Meinung dazu relevant macht. So können sie dem Publikum durch ihr Wissen eine komplizierte Sachlage näherbringen. Verschiedene fundierte Perspektiven zu hören, macht es einem im Publikum leichter, sich selbst eine Meinung zu bilden. Ein solcher Event beginnt oft mit einigen Einzelvorträgen von Personen oder Gruppen zum Kontext und ihrem Bezug dazu. Danach geht es in ein Podiumsgespräch über, wo sich verschiedene ausgewählte Gäst*innen über den Themenbereich austauschen. Zum Schluss gibt es oft noch die Möglichkeit für das Publikum, Nachfragen, Kritik und Lob zu verteilen, und das Event wird mit einem Schlusswort der Organisator*innen beendet. Bei manchen Veranstaltungen gibt es zwischendurch oder am Ende noch eine Kaffeepause mit kleinem Buffet.


Moderation

Damit das Podiumsgespräch immer flüssig bleibt, nicht zu sehr vom Sachverhalt abweicht, nicht persönlich, beleidigend oder zu einem Streit wird und vor allem nicht die zeitliche Vorgabe überschreitet, wird es moderiert. Dabei lernt die Moderation alle Gäst*innen bereits vor dem Event kurz kennen. Es wird pro Gäst*in ein kurzes Intro mit einigen Eckdaten zu den Gäst*innenn vorbereitet, mit dem zu Beginn des Podiumsgesprächs die Gäst*innen nacheinander vorgestellt werden. So kann das Publikum die Gäst*innen erst einmal kennenlernen und später deren Redebeiträge besser einzuordnen. Die Moderation bereitet einige Fragen zum Thema vor, die auf die Spezialisierung der Gäst*innen jeweils zugeschnitten sind, damit jede Person etwas sagen kann, was deren Meinung und Forschung am besten widerspiegelt. Auch andere Gäst*innen können danach auf diese Fragen antworten oder sich darauf beziehen. Die Fragen sind nützlich, um das Gespräch von einem Themenfeld zum nächsten zu lenken und um ihm neuen Schwung zu geben, falls es zum letzten Beitrag nicht mehr viel zu sagen gibt. Falls das Gespräch bereits gut läuft und die Gäst*innen auch miteinander im Gespräch sind, ergibt es auch Sinn, eher dem Gesprächsfluss zu folgen und Nachfragen zu stellen, statt mit einer neuen Frage ein neues Thema zu öffnen, bevor das letzte Thema abgeschlossen wurde. Dabei gehört es zu den wichtigen Aufgaben der Moderation darauf zu achten, dass alle Gesprächsteilnehmenden ungefähr gleich viel zu Wort kommen.
Manche Podiumsgespräche enden mit Publikumsfragen an die PodiumsGäst*innen. Das können Rückfragen, persönliche Geschichten, Lob und Kritik sein. Damit dies jedoch nicht ausufert, also die anderen nicht zu Wort kommen und persönliche Angriffe, Beleidigungen oder diskriminierende Aussagen getätigt werden, werden die Publikumsfragen moderiert. Das heißt, die Moderation kann darum bitten, dass mehrere Fragen gesammelt werden, auf die dann gemeinsam geantwortet wird, das spart nämlich Zeit. Die Moderation kann auch Personen unterbrechen, wenn deren Beitrag aus verschiedenen Gründen unerwünscht ist. Zum Schluss wird die Veranstaltung von der Moderation beendet.


Wahl der Gäst*innen

Die Gäst*innen werden nach verschiedenen Kriterien ausgewählt. Sie sollten sich gut mit dem Thema auskennen oder aus verschiedenen Gründen involviert oder betroffen sein. Ihre Meinung sollte für das Verständnis des Diskurses relevant sein. Dabei kann man sich an Akademiker*innen wenden, also an Lehrer*innen, an Dozenten*innen oder Professor*innen an Schulen oder Universitäten, an Forscher*innen und Spezialist*innen. Aber wer Spezialist*in für etwas ist, kann sehr divers ausfallen. Zeitzeug*innen sind Spezialisten für ihre Lebenszeit und damit historische Fakten, Aktivist*innen sind Spezialist*innen für ihre politischen Kämpfe, Journalist*innen können Spezialisten für verschiedene Themenbereiche sein, die sie recherchieren, Kollektive können als Gruppe Spezialisten sein für ihre Tätigkeit und deren politischen Kontext, Schüler*innen können Spezialist*innen für Schulen sein (…). Auch du bist Spezialist*in für viele Bereiche deines Lebens, weil du Teil von ihnen bist und dein Wissen und deine einzigartige Perspektive dich auszeichnen.
Die Perspektive, die man einnimmt, ist wichtig. Bei vielen Themen ist die Sichtweise von Betroffenen besonders relevant, weil darauf Rücksicht genommen werden muss. Das geht bei der Perspektive von Schüler*innen auf die nächste Schulreform los, ist aber auch bei Themen, die Teil struktureller Diskriminierung sind, wichtig. Bei solchen Themen ist es wichtig, dass zumindest ein Teil der Gäst*innen aus einer Betroffenenperspektive reden kann und man auf die Betroffenheit der Person eingeht.


Publikum und Werbung

Was ist ein Podiumsgespräch ohne Publikum? Wie groß das Publikum sein soll, hängt von der Veranstaltung ab. Bei Themen, bei denen möglichst viel Austausch zwischen dem Publikum und dem Podium entstehen soll, ist ein kleineres Publikum von Vorteil. Ansonsten wünscht man sich oft ein großes Publikum, soweit der Raum und die Technik das erlauben. Mensch sollte sich also unbedingt vor dem Event schlaumachen, wie viele Personen in den Raum passen, wie viele Stühle es gibt und wie gut die Technik aufgestellt ist. Viele Podiumsgespräche haben eine Anmeldung als Teilnahmebedingung, damit auf die Anzahl der Menschen im vornherein geachtet werden kann. Dabei rechnet man damit, dass 10–20 % (nach Wetter und Jahreszeit) der angemeldeten Personen am Tag selbst nicht auftauchen. Bei einer Veranstaltung mit Anmeldung muss es eine 'Tür' geben. Das sind bestenfalls zwei bis drei Helfende, die vor dem Event bis kurz vor dem Ende an der Tür stehen und kontrollieren, dass nur Personen, die angemeldet sind, reinkommen. Zudem kann dadurch kontrolliert werden, wer reinkommt. Die Tür kann auch während der Veranstaltung verantwortlich sein, um störende Personen nach draußen zu geleiten.

Um ein Publikum zu mobilisieren, muss die Veranstaltung beworben werden. Am besten frühzeitig, am besten auf mehreren Wegen (Plakate, Social-Media-Posts, auf Webseiten), am besten wiederholt. Regelmäßige Veranstaltungen haben den großen Vorteil, sich ein festes Publikum aufzubauen, weswegen es oft Sinn ergibt, auf eigenen Veranstaltungen bereits für die nächste Veranstaltung zu werben.
Schließlich ergibt es noch Sinn, je nach Wunsch-Publikum (Gleichaltrige, Personen mit Betroffenheit, Personen, die im Themengebiet involviert sind) die entsprechende Gruppe so direkt wie möglich zu erreichen. Dafür kann man Rundmails schicken oder die Veranstaltung in einen bestimmten Newsletter aufnehmen lassen, die Veranstaltung in bestimmten Gruppen und Online-Kalendern teilen oder an bestimmten Orten (nach Nachfrage) Poster aufhängen lassen.


Vorbereitung

Die Vorbereitung eines Podiumsgespräches hat mehrere Schritte. Es braucht einen Ort, Technik, Personen, die Schichten übernehmen können (z. B. die 'Tür'-Schicht), Werbung für die Veranstaltung, Gäst*innen und etwas zu trinken für die Sprecher*innen und nach Kapazität auch für das Publikum. Verschiedene Orte, die geeignet sind, um ein Podiumsgespräch zu organisieren, findet ihr unter Räume finden.

Die Technik ist etwas komplizierter. Es braucht Personen zum Auf- und Abbau und zur Betreuung der Veranstaltung. Gebraucht werden:

  • genug Mikrofone für jeden Gäst*in auf der Bühne und die Moderation

  • Anlage

  • Tonpult

  • (Beamer + eine Leinwand)

  • (Technik zum Dolmetschen)

Manche Orte können all diese Technik stellen, mensch muss sie jedoch oft teuer mieten. Daher lohnt es sich, dafür und für das Gehalt der Techniker*innen ein Budget einzuplanen.


Gäst*innen und Moderation

Gäst*innen müssen frühzeitig eingeladen werden. Sie sollten frühzeitig die Moderation kennenlernen und einen Ablaufplan der Veranstaltung bekommen. Während des Podiumsgespräches sollte ihnen stilles Wasser hingestellt werden, denn das viele Reden macht durstig.
Die Moderation sollte eine Verbindung mit dem Thema haben. Sie muss die Begrüßung, die Vorstellung der Gäst*innen, Fragen wie auch das Schlusswort vorbereiten (Karteikarten können hierbei helfen). Es sollte eine Person sein, die den Stress aushalten kann und sich wohlfühlt, vor anderen Menschen zu sprechen. Die Moderation sollte nicht die Hauptansprechpartner*in der Veranstaltung sein, sondern bei anderen organisatorischen Fragen ausgenommen werden.

Es braucht eine Eventleitung, die sich um alle Probleme kümmern kann, die in letzter Sekunde auftauchen. Am besten macht man das als Team mit vorher aufgeteilten Verantwortlichkeiten.