Konflikte

Och Mensch, schon wieder ist die Hälfte zu spät zum Treffen gekommen. Die Stimmung ist gereizt und als es dann um ein umstrittenes Thema geht, fliegen die Fetzen. Wer kennt es nicht? Irgendwann kommen in einer Gruppe immer Konflikte auf. Doch wie können wir damit gut umgehen?

Thementext

Konflikte sind an sich nichts Schlechtes. Wir können dabei lernen und daran wachsen. Dafür ist es Wichtig diese zu verstehen und einzuordnen, um sie zu bewältigen. Es gibt je nach Intensität der Konflikte verschiedene Ansätze, wie das gut klappen kann.
Generell gilt: ihr müsst das nicht alleine machen. Es gibt viele Strukturen, die sich schon lange mit Konflikten beschäftigen. Seien es Coachings, Mediationen, Supervisionen oder einfach nur eine Perspektive von außerhalb der Gruppe.

Es gibt mehrere Sachen zu beachten. Erst einmal ist es wichtig, ein gemeinsames Problembewusstsein zu schaffen. Also dass allen bewusst ist, dass es irgendwo knirscht. Im besten Fall haben auch alle ein Interesse daran, den Konflikt anzugehen. Nun könnt ihr euch anschauen worum es geht. Was ist der vermutete Auslöser oder Knackpunkt?

Konfliktformen

Zielkonflikt: Konflikt darüber, was das Ziel sein soll.

Strategiekonflikt: Konflikt darüber, wie ein Ziel zu erreichen ist.
Wie kann das gesetzte Ziel erreicht werden?

Wertekonflikt: Konflikt, in welchem die unterschiedlichen Werte gegenüberstehen.
Es gibt kein ‚richtig oder falsch‘, sondern: Was wird wieso priorisiert?

Ressourcenkonflikt: Konflikt über bestehende oder zu erreichende Ressourcen.
Wie können vorhandene Ressourcen ‚gerecht‘ verteilt werden?

Informationsdefizitkonflikt: Konflikt, der durch unterschiedliche Wissensstände entsteht.
Wer weiß was? Was wissen andere nicht?

Wer ist beteiligt?

Eine weitere Einordnungsmöglichkeit ist es, sich bewusst zu werden, wer an einem Konflikt beteiligt ist. Also ob eine einzelne Person, zwei Leute oder eine ganze Gruppe an dem Konflikt teilhat. Es gibt auch noch weitere Einordnungskategorien, die hier zu beschreiben den Rahmen sprengen würden.

Konfliktstufen

Nachdem sich angeschaut wird, welche Form der Konflikt hat und wer daran beteiligt ist, kann es sinnvoll sein, sich bewusst zu werden, wie weit der Konflikt eskaliert ist. Zu wissen, wie weit der Konflikt eskaliert ist, ist nicht nur zur Einordnung wichtig. Denn es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Konflikten umzugehen, die sich an den Eskalationsstufen orientieren.

Folgend die Konfliktstufen nach Glasl (Phasenmodell).
Diese besteht aus neun Konfliktstufen, die sich in einer Abwärtsbewegung befinden. Dieser wird als ein Strom (ein großer Fluss) beschrieben, in welchem die Konfliktparteien sich befinden und über Stromschnellen weiter nach unten gerissen werden.
Unterteilt werden die neun Stufen in drei Hauptphasen.

1. Verhärtung:
Kaum vom normalen entspannten Umgang zu unterscheiden, aber es gibt Schwierigkeiten, auf einen Nenner zu kommen. Es bildet sich eine Haut in den Konfliktgruppen, durch welche nicht mehr alle Eindrücke dringen.

2. Debatte:
Die Konfliktparteien arbeiten noch zusammen, es treten aber Debatten und Diskussionen an die Stelle von Gesprächen, sowie kann es zu unfairem Gesprächsverhalten kommen.

3. Taten:
Es folgen Taten auf Worte, um die gegnerische Konfliktpartei an dem Erreichen von deren Zielen zu bremsen. Auch schmelzen die jeweiligen Gruppen enger zusammen, während die Konfliktparteien weiter auseinanderdriften.

4. Images und Koalitionen:
Konflikte werden in die Öffentlichkeit und diese in den Konflikt reingezogen. Es gibt nur noch ‚Gut und Böse‘, alles dazwischen verschwimmt.

5. Gesichtsverlust:
Es geht darum, den Konfliktgegner zu demaskieren. Also die (vermeintlichen) wahren Absichten offen zu legen.
Die Konfliktgruppen rücken noch enger zusammen und es entsteht ein Druck in der Gruppe, sich nicht mehr aus der Konfliktsituation rausziehen zu können.

6. Drohstrategien:
Mit Drohungen soll der Konfliktgegner in eine Richtung gedrängt werden und abgeschreckt werden. Dies soll Misstrauen und Furcht erzeugen sowie ‚Fehler‘ der Gegenseite provozieren.

7. Begrenzte Vernichtungsschläge:
Der Konfliktgegner wird nur noch als störender Gegenstand wahrgenommen, der aus dem Weg geschafft werden muss. Die Kommunikation wird nur noch als Einbahnstraße wahrgenommen. Es geht nur noch um die Schädigung der anderen Seite und dabei wird eigener Schaden in Kauf genommen.

8. Zersplitterung:
Es geht darum, die Lebensgrundlage von dem Konfliktgegner zu vernichten, sowie diesem jegliche Glaubwürdigkeit abzusprechen.

9. Gemeinsam in den Abgrund:
Es gibt keinen Schritt mehr zurück, alles wird darauf verwendet, dem Konfliktgegner zu schaden, auch wenn es einen selber vernichtet. Es wird auch keine Rücksicht mehr auf Unbeteiligte genommen.

Generell gilt, dass eine Win-win Lösung nur in den ersten drei Stufen möglich ist. In den Stufen 4-6 verliert mindestens eine Seite und darüber können nur noch beide Konfliktseiten verlieren.
Die Konfliktstufen sind hier im Text nur verkürzt dargestellt. Auch bewegen sich Konflikte häufig zwischen oder über mehrere Konfliktstufen hinweg. Es werden nachfolgend 4 Konfliktlösungsmethoden vorgestellt.

Je weiter der Konflikt eskaliert, desto aufwändiger wird eine Konfliktlösung.
So können am Anfang noch Konflikte selber gelöst werden, braucht es in einer höheren Eskalationsstufe Unterstützung von außerhalb der Gruppe.

Konfliktlösungsmöglichkeiten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um zu versuchen, Konflikte aufzulösen. Die Konfliktlösungsmöglichkeiten orientieren sich an der Konfliktstufe, auf der sich der Konflikt befindet. Dabei überschneiden sich die Konfliktlösungsmethoden, es kann also vorkommen, dass auf einer Konfliktstufe mehrere Methoden möglich sind. Auch lassen sich die Methoden auf den niedrigeren Konfliktstufen anwenden, dabei ist aber nicht sichergestellt, dass diese effektiv wirken. Scheut euch nicht davor, Personen von außen mit dazuzunehmen.
Hier werden nur ein paar davon dargestellt:

Moderation

Diese Methode ist in den ersten drei Konfliktstufen anwendbar, sofern die Konflikte in der dritten Stufe nicht zu kompliziert sind. In der Moderation wird den Konfliktparteien geholfen, sich selbst zu helfen. Das Ziel ist, den Konflikt in eine positive Richtung zu lenken. Die moderierende Person ist eine Person von außen. Bei dieser Methode gibt diese Tipps und greift selbst nicht in den Konflikt ein. Die moderierende Person passt auf, dass die Konfliktparteien die Begriffe richtig verstehen und sich nicht missverstehen. Dafür können Bilder oder Hilfsmittel benutzt werden, zum Beispiel Pinnwände, Flipcharts oder Karten. Dabei werden nur wenige Aufgaben gegeben, damit die Konfliktparteien selbstständig bleiben. Auch wird darauf geachtet, wie Menschen sprechen und sich verhalten. Die Moderator*in passt auf, dass niemand unfair ist und andere beleidigt. Wenn jemand unfair spricht, wird die Person darauf hingewiesen, damit keine verbale Gewalt entsteht. Diese Methode wird bei Treffen mit den Konfliktparteien benutzt und braucht wenig Vorbereitung.

Prozessbegleitung

Bei der Prozessbegleitung oder auch ‚Prozesskonsultation‘ genannt geht es um eine längerfristige Intervention bei als der Moderation. Diese ist für die Konfliktstufen drei bis fünf anwendbar. Das Ziel der Prozessbegleitung ist es, dabei zu helfen, Probleme in Zukunft selbst zu lösen, bevor diese zu Konflikten werden. Sowie bei soll die Methode den Konfliktparteien helfen, ihre Konflikte aus eigener Kraft zu lösen. Am Anfang, in der sogenannten „Orientierungsphase“, wird an dem Vertrauen und den Grundeinstellungen von den Konfliktparteien gearbeitet. In der dritten Stufe haben die Parteien noch genug Motivation, um aktiv an einer Lösung zu arbeiten. Bei der fünften Stufe ist es oft schwerer, weil die Widerstände gegen eine Konfliktlösung größer sind. Die Prozessbegleitung ist eine Methode, die lange dauert. Bei schwierigen Konflikten kann sie auch mehr als ein Jahr dauern. Deshalb wird sie manchmal abgelehnt, weil sie viel Zeit braucht.

Mediation

Wenn Konflikte herausfordernder sind, also bei Stufe fünf bis sieben, kann die Mediation eine gute Methode sein. Das bedeutet, dass eine neutrale Person, die alle akzeptieren, hilft, den Streit zu lösen. Besonders in den Stufen sechs und sieben bietet sich die Methode an. Die Konfliktparteien sind bei einem solchen Fortschritt der Eskalation nicht mehr in der Lage, ihre Probleme bei einer direkten Begegnung zusammen zu lösen. Mediation heißt übersetzt „Vermittlung“. Es ist eine Hilfe bei Streit, bei der eine unparteiische Person (Mediator*in) vermittelt. Alle Parteien müssen zustimmen, dass die Person dabei ist, und alle Beteiligten diese als Mediator*in akzeptieren. Das Ziel ist, dass sich alle einigen und gemeinsam eine für alle akzeptable Lösung finden.
Bei der Mediation wird mit „aktivem Zuhören“ gearbeitet. Das bedeutet, dass die Aussagen der anderen wiederholt oder umformuliert werden, damit alle sie besser verstehen können. Eine andere Methode ist, „Ich-Botschaften“ zu verwenden. Das heißt, dass die Beteiligten sagen, was sie selbst fühlen oder denken, in „Ich-Sprache“. Sie sagen also nicht „Man macht das so“, sondern „Ich fühle mich …“ oder „Ich möchte …“ um genauere Aussagen zu bekommen.
Der/die Mediator*in kann auch das „Spiegeln“ oder „Paraphrasieren“ nutzen. Das bedeutet, dass der/die Moderator*in das Gesagte wiederholt, um sicherzugehen, dass alles richtig verstanden wurde.
Wenn die Konfliktparteien sich nicht mehr persönlich treffen können, gibt es die „Shuttle-Mediation“. Dabei arbeitet der/die Mediator*in mit jeder*m einzeln. Der/die Mediator*in ist wie ein „Bote“ und vermittelt zwischen den Konfliktparteien. Eine weitere Form ist die Machloketsche Mediation. Bei dieser Methode werden die historisch-gesellschaftlichen Hintergründe der Konfliktparteien in die Vorbereitung der Mediation mit einbezogen. Mediation braucht Zeit. Es ist eine anspruchsvolle und zeitaufwändige Methode, weil die Konfliktparteien oft länger brauchen, um nachzudenken, und die Mediation auch stückweise ablaufen kann.

Machteingriff

Der Machteingriff kann bei den Konfliktstufen sieben bis neun benutzt werden. Beim Machteingriff entscheiden nicht die Konfliktparteien selbst. Eine dritte Person greift in den Streit ein und übernimmt die Kontrolle. Diese Person beeinflusst die Gefühle der Konfliktparteien, sodass sie gelähmt sind und sich schwach oder ängstlich fühlen. Die dritte Person kann auch Drohungen benutzen, um zu zeigen, dass sie Macht hat und von allen akzeptiert wird.
Die Person, die eingreift, bestimmt, wie der Konflikt gelöst wird und wie die Lösung aussieht. Manchmal kann der Machteingriff sehr schnell passieren, zum Beispiel durch eine überraschende Aktion. Damit ein Konflikt nicht wieder aufflammt, kann es notwendig sein, dass die Person, welche den Machteingriff durchgeführt hat, weiterhin die Kontrolle behält. So können auch zukünftig gleiche oder ähnliche Konflikte vermieden werden.