Recherchieren

Es ist ein Naziaufmarsch angekündigt und ihr wollt wissen, wer dahintersteckt? Oder ihr wollt mehr über den Investor rausfinden, der das Jugendzentrum gekündigt hat. Dann muss recherchiert werden.

Thementext

Am Anfang einer Recherche steht immer eine Frage. Was wollt ihr herausfinden? Formuliert die Frage so genau wie möglich. Ihr könnt die dann auch zerlegen. Also nach Ort, Namen, Zeitpunkt und so weiter. Dann geht es ans Durchwühlen von Quellen. Nehmt euch genug Zeit dafür und checkt auf jeden Fall eure Ergebnisse gegen. Nichts ist unangenehmer als schlecht recherchierte, vermeintliche Fakten. Das kann schnell dazu führen, dass einen das Gegenüber nicht mehr ernst nimmt. Oder ihr riskiert damit eure Pressekampagne, weil sich Journalist*innen auf eure Infos verlassen haben und diese sich dann als falsch darstellen.

Quellen

Als Erstes werden die meisten vermutlich im Internet suchen. Doch eine Suchanfrage in einer Suchmaschine gibt dir nicht immer die Antwort, nach der gesucht wird. Wenn das Zeitungsarchiv der Lokalzeitung noch nicht digitalisiert ist, dann müsst ihr auf dem analogen Weg recherchieren. Dafür helfen euch Archive, wie zum Beispiel von den Zeitungen.
Es gibt eine Menge an Archiven. Wenn ihr zum Beispiel was zu Nazis und ihrer Vergangenheit in der BRD rausfinden wollt, hilft euch das Apabiz (antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum) weiter. Wenn ihr was zu Opfern des NS-Regimes recherchieren wollt, gibt es das Arolsen Archive mit einer Online-Recherchefunktion.

Um was zu Unternehmen herauszufinden, sind onlin- Datenbanken wie Northdata oder companyhouse nutzbar. Dort finden sich Namen von Personen, die in Unternehmen oder Vereinen aktiv sind, sowie wie diese miteinander vernetzt sind. Eine weitere Möglichkeit ist das Registerportal der Länder, in welchem unter anderem das Handels- und Vereinsregister online einzusehen sind.

Falls es eine Website nicht mehr gibt oder Daten gelöscht wurden, hilft eine Waybackmachine weiter. In dieser wurden, falls vorhanden, Screenshots zu verschiedenen Zeitpunkten von Websites gespeichert.
Offline könnt ihr euch auch in Bibliotheken stürzen, davon gibt es in Berlin unglaublich viele. Diese haben auch Onlineportale, in welchen ihr nachgucken könnt, wo das gesuchte Buch oder die Zeitschrift zu finden ist.

Eine weitere Möglichkeit ist das Nachfragen bei anderen Menschen. Vielleicht wissen Nachbar*innen etwas. Ihr könnt aber auch bei einer Pressestelle einer Behörde anfragen oder bei politischen Initiativen, die zu dem Thema arbeiten, über welches ihr mehr wissen wollt.

KI und Fake News

Die Nutzung von KI ist in der Recherche schwierig und nicht zu empfehlen. Falls es doch genutzt wird, prüfe alles noch einmal gegen. Ein Textvervollständigungsprogramm setzt die Infos so zusammen, wie sie nach dessen Logik am häufigsten vorkommen. Das ist aber nicht unbedingt das, was eigentlich stimmt. Außerdem interessieren Fakten eine KI nicht und sie wird wie ChatGPT mit rechten Medien trainiert. Oder sie ist, wie Deepseek, so programmiert, dass sie Staatspropaganda wiedergibt.

Es gab schon immer Fake News, auch schon vor dem Internet. Mit der massiven Nutzung von KI hat das Problem weiter zugenommen. Auch gibt es jetzt vermehrt Fakevideos. Diese zu erkennen ist häufig gar nicht so einfach. Das Gleiche gilt auch für Deepfakes in Tonaufnahmen oder bei Fotos. Wenn ihr absurde, sehr überzeichnete oder nur bei einer Onlinequelle auffindbare Materialien findet, hinterfragt diese und schaut euch an, von wem die stammen.

Rechtliches

Vorsicht, dies ist nur ein Leitfaden. Jede Behauptung muss hieb- und stichfest bewiesen werden können. Denn jede behauptete Tatsache ist verklagbar, egal wie häufig sie vorher schon veröffentlicht wurde, ohne dass sich wer daran gestört hat.
Es ist richtig nervig, wenn ihr rechtliche Konsequenzen aufgrund von eurer Recherche bekommt, weil Vermutungen als stichfeste Fakten dargelegt wurden. Denn wenn ihr eine Unterlassungserklärung bekommt, wird es schnell sehr teuer. Lasst euch da auf jeden Fall, zum Beispiel von der roten Hilfe, beraten, wenn so etwas in euren Briefkasten flattert.

Das kann aber vermieden werden, indem ihr zitiert und Quellen nennt oder es mit Formulierungen wie „Es besteht der Verdacht“, „Es scheint“, „Größtenteils“ … etc. Abschwächt. Auch empfiehlt es sich, mit Pauschalisierungen und Wertungen vorsichtig zu sein, besonders wenn die aufgeführten Rechercheergebnisse nur schwer zu beweisen sind. Umschreibt dann eher, was den Fakten entspricht. Zum Beispiel: „X taucht auf vielen Neonazi-Zusammenkünften auf.“ Anstelle X ist ein Neonazi, der mit der konservativen Partei rumhängt.

Das Relevante dabei ist, welcher Eindruck mit der Behauptung erwiesen scheint. Das interpretiert ihr möglicherweise anders als der Anwalt des Neonazis. Es lässt sich aber generell viel umschreiben und so formulieren, dass der Inhalt noch rüberkommt, ohne dass ihr mit Verleumdungsklagen überzogen werdet.